Zwischen staubigen Falzen und verborgenen Leimnähten finden sich Bleistiftnotizen, Schneiderkreide, Zollstempel, vergessene Einkaufszettel. Sie erzählen von Märkten, Werklohn, Kindergrößen, spontanen Umbauten. Fotografieren, datieren und behutsam sichern macht diese zufälligen Funde zu belastbaren Zeugnissen, die Restaurierungsentscheidungen leiten und Verwandte zu neuen Erinnerungen anstoßen.
Eiche altert anders als Nussbaum, Kirschbaum duftet bei Erwärmung, Fichte dunkelt rasch nach. Wer Faserrichtung, Gerbsäuren, Harze und Porenstruktur versteht, erkennt, wo frühere Eingriffe stattfanden und warum Oberflächen auf Licht, Feuchte oder Lösungsmittel reagieren. Dieses Wissen schützt Geschichten, bevor Technik eingreift.
Am langen Tisch wurden Geburtstage gefeiert, doch die tiefste Kerbe stammt von einer Nacht, als Großmutter im Blackout den Teig im Kerzenschein knetete. Jede Schramme trägt Klang. Sie erzählte, wie die Kerbe später zum Messpunkt für das Teilen von Brot wurde, ein stilles Maß für Gerechtigkeit. Diese Erinnerung führt unsere Hand, wenn wir Kanten entgraten, leimen oder kleine Fehlstellen füllen.